• Nika

Rezension: Segen der Erde

Segen der Erde


Der 1917 von Knut Hamsun geschriebene Roman berichtet von einer vergangenen Zeit aus dem Nordland Norwegen (Ende des 19. Jahrhunderts), als es dort noch viel unwirtliches Ödland gab, das von Ansiedlern urbar gemacht wurde. Einer von ihnen ist ein rotbärtiger Klotz von Mann mit Namen Isak.

“Am Morgen sieht er eine Landschaft mit Wald und Weideland vor sich ausgebreitet. Er steigt hinunter: da ist ein grüner Berghang, weiter unten erblickt er ein Stück des Flusses und einen Hasen, der in einem Sprung darüber hinwegsetzt. Der Mann nickt, als sei es ihm gerade recht, daß der Fluß nicht breiter ist als ein Hasensprung. Ein brütendes Schneehuhn flattert plötzlich zu seinen Füßen auf und zischt ihn wild an, und wieder nickt der Mann: hier sind Tiere und Vögel, das ist abermals gerade recht! Seine Füße waten druch Blaubeerenbüsche und Preiselbeerkraut, durch siebengezackte Waldsterne und niedere Farnkräuter; wenn er da und dort anhält und mit einem Eisen in der Erde gräbt, findet er hier Walderde und dort mit Laub und verrotteten Zweigen seit Tausenden von Jahren gedüngten Moorboden. Der Mann nickt, hier will er sich niederlassen...”

Isak ist ein Landmann mit allen Fasern seines Wesens, demütig, schaffend und sich mühend.

“Er wußte selten das Datum, wozu hätte er es wissen sollen? Er hatte keine Papiere einzulösen. Die Kreuze im Kalender zeigten an, wann jede Kuh kalben sollte. Aber er wußte, daß bis zum Sankt Olafstag im Herbst alles Heu hereingebracht sein mußte, und er wußte, wann im Frühjahr der Viehmarkt war und daß drei Wochen danach der Bär aus seiner Höhle ging. Da mußte die Saat in der Erde sein. Das Notwendige wußte er.”

Isak ist der erste Ansiedler, dem im Laufe der Jahre weitere folgen. Auch seine Familie wächst. Die Jahre vergehen und mit ihnen kommen allerlei Wechselfälle des Lebens. Abgeschiedenheit und Einfachheit verlangen den Menschen hier viel ab und nicht alle ertragen diese raue Art zu leben. Auch die ersten Anzeichen einer neuen Zeit (Stadtleben, Industrialisierung) dräuen zu der Ansiedlung herauf. Der Leser erkennt sie als bedrohlich für diese in sich stimmige und heile Welt und er bankt, Isak möge sich und den Seinen diesen paradiesischen Ort bewahren.

“Die Jahre vergehen rasch? Ja, für den, der altert.”

Doch nicht für den, der schafft und dabei mit Erde und Himmel im Einklang steht, möchte man hinzufügen.

“Hier wächst und gedeiht alles, Menschen und Tiere und die Früchte des Feldes. Isak sät. Die Abendsonne bescheint das Korn, er streut es im Bogen aus seiner Hand, und wie ein Goldregen sinkt es auf die Erde. Da kommt Sivert und eggt, nachher walzt er, dann eggt er wieder. Der Wald und die Berge stehen da und schauen zu, alles ist Macht und Hoheit, hier ist ein Zusammenhang und ein Ziel”

Ich glaube, das ist es auch, was den Leser noch heute anrührt: die Erkenntnis, dass es nirgends einen größeren Segen der Erde gibt als dort, wo der Mensch äußerlich eine Heimat und innerlich Frieden im Herzen gefunden hat.

1920 wurde dem Autor für dieses Werk der Literaturnobelpreis verliehen.

(© LL)

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